Mit Spannung erwartet: „A Quiet Place: Day One“
Aus dem Nichts heraus wird New York City Ziel einer Alieninvasion. Die monströsen Kreaturen schnappen sich jeden Menschen, der ihnen über den Weg läuft. Doch die Aliens können offenbar gar nichts sehen, sondern scheinen sich ausschließlich anhand von Geräuschen in ihrer Umgebung zu orientieren. Wer in der Nähe der Aliens auch nur einen Mucks von sich gibt, hat damit praktisch sein Todesurteil unterschrieben. Mittendrin steckt eine junge Frau namens Sam, die alles tun muss, um zu überleben, während die Stadt um sie herum in Chaos und Zerstörung versinkt.
„A Quiet Place: Day One“ war einer der Filme, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe. Die Idee, die Anfänge der Alieninvasion zu sehen und das bekannte Konzept der tödlichen Stille in eine lebhafte Großstadt wie New York zu verlegen, klang vielversprechend. Als Halloween näher rückte und ich einen passenden Schocker für den Abend suchte, schwankte ich erst noch zwischen Klassikern wie „Rosemary’s Baby“ oder “Carrie”, entschied mich dann aber für diesen neuen Teil der „A Quiet Place“-Reihe – eine Entscheidung, die das Heimkinoerlebnis lohnenswert machen sollte. Oder doch nicht?
Der Film beginnt mit einem packenden Szenario: Samira (Lupita Nyong’o), eine Dichterin, die im Hospiz auf den Tod wartet, wird durch Meteoritenschauer und das plötzliche Erscheinen der Alien-Kreaturen überrascht. Die Hektik und das Chaos auf den lauten Straßen New Yorks bieten einen intensiven Kontrast zur Ruhe und Stille der Vorgängerfilme. Besonders in Dolby Atmos entfaltet sich die Wirkung dieses Gegensatzes im Heimkino – eine immersive Erfahrung, die mich regelrecht in die Szenerie hineinzog. Gefühlt macht jeder Film auf einer großen Leinwand mit entsprechendem Sound einfach Spaß, und das ist auch hier der Fall.
Doch leider muss ich sagen, dass mich „A Quiet Place: Day One“ insgesamt enttäuscht hat. Trotz des spannenden Ansatzes und einiger intensiver Szenen verliert der Film nach dem kraftvollen Anfang zunehmend an Spannung. Regisseur Michael Sarnoski weicht vom ursprünglichen „Silent Horror“-Konzept ab und versucht, durch mehr Action und eine größere Kulisse das Franchise in eine neue Richtung zu lenken. Doch nachdem die erste Panik abklingt, fällt der Film wieder in bekannte Muster zurück. Samira, die sich gemeinsam mit dem Engländer Eric (Joseph Quinn) durch die gefährlichen Straßen schlägt, stößt dabei auf kaum Neues. Es geht wieder darum, möglichst leise zu bleiben, Vorräte zu besorgen und die Kreaturen mit gezielten Geräuschen abzulenken – Elemente, die sich aus den Vorgängern bekannt anfühlen, hier jedoch weniger packend inszeniert sind.
Wenn eine Katze zu den aufregendsten Elementen eines vermeintlichen Horrorfilms wird, ist das wohl kein gutes Zeichen für die Spannung…
Die Einführung von Samiras Begleiterin, der Katze Frodo, gibt dem Film zwar einen eigenwilligen, charmanten Nebeneffekt, und das Tier bleibt trotz der schaurigen Atmosphäre unbeeindruckt – ironischerweise einer der interessantesten Aspekte in diesem postapokalyptischen Szenario. Doch wenn eine Katze zu den aufregendsten Elementen eines vermeintlichen Horrorfilms wird, ist das wohl kein gutes Zeichen für die Spannung.
Dank meines Heimkinos konnte ich den Film in Ruhe genießen. Das ist ein großer Vorteil, weil man jederzeit auch am nächsten Tag weiterschauen kann, sollte die Spannung einmal nachlassen oder sollten die Kinder aufwachen.
Insgesamt bleibt „A Quiet Place: Day One“ eine zwiespältige Erfahrung. Das Prequel verspricht anfangs eine spannende, originelle Erweiterung des Franchise, doch die anfängliche Faszination verpufft bald. Der Film greift schließlich auf bekannte Elemente zurück, ohne die Klasse des Originals zu erreichen. Auch wenn er nicht das ganz große Horror-Kino ist, hat er einige Momente und sorgt für solide Unterhaltung, besonders an einem gruseligen Halloween-Abend. Doch für diejenigen, die sich mehr erwartet haben, könnte das Prequel eine Enttäuschung sein – und leider war es das für mich auch.